Kaum ein Design hat eine Sportart so nachhaltig geprägt wie die Staunton-Schachfiguren das Schachspiel. Wer heute an einem Turnier teilnimmt, eine Partie im Verein spielt oder einfach ein solides Set für zuhause sucht, begegnet fast zwangsläufig dieser charakteristischen Form: die gekrönte Dame, der mit einem Kreuz bekrönte König, die schräg eingekerbten Läufer, die springenden Pferdeköpfe der Springer. Seit 1849 gilt dieses Design als der internationale Standard – und das aus guten Gründen. Vor der Staunton-Ära existierten zahlreiche regionale Figurentypen mit teils sehr ähnlichen, schwer unterscheidbaren Silhouetten, was besonders bei ernsthaften Partien immer wieder für Verwirrung sorgte. Wir erklären, woher die staunton schachfiguren ihren Namen haben, was das Design bis heute so überzeugend macht und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Die Geschichte hinter dem Namen
Benannt wurden die Figuren nach Howard Staunton, dem damals führenden englischen Schachmeister, der dem Entwurf 1849 seinen Namen und seine Reputation lieh. Entworfen hat das Design vermutlich Nathaniel Cook, patentiert und vermarktet wurde es vom Londoner Spielehersteller Jaques of London. Der eigentliche Clou war jedoch nicht nur die Formensprache, sondern die Idee dahinter: ein Figurensatz, der klar erkennbare, unterscheidbare Silhouetten bietet und gleichzeitig stabil genug ist, um intensivem Turniergebrauch standzuhalten. Innerhalb weniger Jahrzehnte verdrängte dieses Design die zuvor gebräuchlichen, oft schwer unterscheidbaren Figurentypen fast vollständig aus dem organisierten Schach.
Was das Design bis heute auszeichnet
Der Erfolg der Staunton-Form liegt in einer klugen Kombination aus Funktion und Ästhetik:
- Klare Silhouetten: Jede Figur ist auch aus der Distanz und im Halbdunkel eindeutig zu erkennen.
- Stabiler Stand: Ein breiter Fuß und eine tiefe Bleigewichtung sorgen für Standfestigkeit auch bei hektischen Zügen.
- Gefilzte Unterseite: Ein sauber verklebter Filz schützt sowohl Brett als auch Figur und ermöglicht ein leises, sanftes Ziehen.
- Proportionale Abstufung: Die Königshöhe bildet die Referenzgröße, an der sich alle übrigen Figuren maßstäblich orientieren.
- Zeitlose Optik: Schlicht genug für den Alltag, elegant genug für repräsentative Anlässe.
Staunton ist nicht gleich Staunton
Auch wenn das Grundprinzip seit über 170 Jahren gleich geblieben ist, gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Herstellern. Bei einfacher Massenware variiert die Königshöhe innerhalb eines Satzes leicht, das Holz ist unbehandelt oder nur dünn lackiert, und die Gewichtung fällt inkonsistent aus. Hochwertige Sets hingegen bestehen aus sorgfältig ausgewähltem Massivholz, werden von Hand gedrechselt, poliert und mit exakt abgestimmtem Gewicht versehen, sodass sich jede Figur gleich sicher anfühlt. Auch die sogenannte FIDE-taugliche Ausführung – also Proportionen, die den Turnierregularien entsprechen – ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal für ambitionierte Spieler. Ein einfacher Test hilft bei der Einschätzung im Laden oder anhand von Produktfotos: Nehmen Sie den König in die Hand und prüfen Sie, ob er sich beim leichten Kippen sofort von selbst wieder aufrichtet – ein Zeichen für saubere Bleigewichtung und einen tief liegenden Schwerpunkt.
Warum sich das Design weltweit durchsetzte
Der eigentliche Durchbruch gelang der Staunton-Form, als internationale Schachverbände begannen, sie als verbindlichen Standard für offizielle Turniere vorzuschreiben. Damit war erstmals sichergestellt, dass Spieler unabhängig vom Austragungsort auf ein vertrautes, eindeutig lesbares Figurenbild trafen – ein entscheidender Vorteil gegenüber den zuvor gebräuchlichen, regional sehr unterschiedlichen Figurentypen. Bis heute orientieren sich nahezu alle namhaften Weltmeisterschaften und Vereinsturniere an dieser Formensprache, was die Staunton-Figur zum mit Abstand am weitesten verbreiteten Schachdesign der Welt macht. Selbst Hersteller, die modernere oder verspieltere Sets anbieten, orientieren sich meist zumindest lose an den Grundproportionen dieses historischen Vorbilds.
Welches Material zu welchem Anspruch passt
Staunton-Figuren werden traditionell in zwei kontrastierenden Hölzern gefertigt, meist einem hellen Holz wie Buchsbaum oder Ahorn für die weißen und einem dunklen wie Ebenholz oder Palisander für die schwarzen Figuren. Diese Kombination sorgt für maximale Kontrastwirkung auf dem Brett und erleichtert die Übersicht während der Partie. Wer Wert auf besonders hohe Griffigkeit und ein wärmeres Spielgefühl legt, wählt gerne etwas größere Ausführungen mit entsprechend höherem Gewicht, während kompaktere Sets sich besser für kleinere Bretter oder den Transport eignen. Auch die Königshöhe spielt eine zentrale Rolle: Wer ein neues Brett zu einem vorhandenen Figurenset sucht oder umgekehrt, sollte stets darauf achten, dass Feldgröße und Königshöhe im richtigen Verhältnis zueinanderstehen, damit die Figuren weder zu klein noch zu beengt wirken.
Unsere Empfehlung für Einsteiger und Kenner
Mit der STAUNTON DE LUX No5 bieten wir ein Set, das die klassischen Proportionen mit sauberer, moderner Verarbeitung verbindet: handgefertigt, exakt gewichtet und im passenden Holzkasten aufbewahrt, sodass die Figuren auch zwischen den Partien geschützt sind. Wer sich einen umfassenderen Überblick über verschiedene Ausführungen, Materialien und Preisklassen verschaffen möchte, findet in unserer Schachfiguren-Kollektion eine breite Auswahl an Staunton-Sets für jeden Anspruch.
Staunton-Figuren im Alltag pflegen
So robust die Staunton-Form auch konstruiert ist, ein wenig Pflege verlängert ihre Lebensdauer deutlich. Nach jeder Partie reicht meist ein trockenes, weiches Tuch, um Fingerabdrücke und Staub zu entfernen, bevor die Figuren zurück in ihre Aufbewahrungsbox wandern. Direkte Sonneneinstrahlung sollte möglichst vermieden werden, da sie helle Hölzer wie Buchsbaum ungleichmäßig nachdunkeln lassen kann, während dunkle Hölzer eher zu Rissen neigen, wenn die Raumluft dauerhaft zu trocken ist. Wer sein Set regelmäßig nutzt, profitiert außerdem davon, die Filzböden gelegentlich auf Ablösungen zu prüfen, damit kein Kontakt zwischen Holz und Brett entsteht, der auf Dauer Kratzer verursachen könnte.
Fazit
Die Staunton-Form ist mehr als ein historisches Kuriosum – sie ist bis heute die funktional durchdachteste Antwort auf die Frage, wie ein Schachset aussehen sollte. Wer ein Set kauft, das diesem Standard treu bleibt, entscheidet sich für Verlässlichkeit, Wiedererkennbarkeit und ein Stück Schachgeschichte, das auf jedem Brett der Welt zuhause ist.